Ver­fah­rens­in­for­ma­ti­on

Der Klä­ger mel­de­te bei dem Po­li­zei­prä­si­den­ten in Ber­lin für den 14. Ju­li 2001 die "Fuck­pa­ra­de" als Ge­gen­ver­an­stal­tung zur Lo­ve Pa­ra­de an. Die "Fuck­pa­ra­de" soll­te in Form ei­nes Stern­mar­sches auf drei Rou­ten zum Alex­an­der­platz füh­ren, auf dem ei­ne Ab­schluss­ver­an­stal­tung ge­plant war. Es wur­den et­wa 10.000 Teil­neh­mer er­war­tet, die von 40 bis 50 Wa­gen be­glei­tet wer­den soll­ten, von de­nen aus Tech­no-Mu­sik ge­spielt wer­den soll­te. Als The­men der Ver­an­stal­tung wur­den an­ge­ge­ben "Kei­ne Zen­sur durch Kom­merz", "Lo­ve Pa­ra­de raus aus dem Tier­gar­ten", "Le­ben statt Haupt­stadt­wahn", "Kei­ne Par­ty ist il­le­gal". Wäh­rend des Stern­mar­sches soll­ten Hand­zet­tel ver­teilt wer­den, die die ge­nann­ten For­de­run­gen for­mu­lie­ren und sich ge­gen die Lo­ve Pa­ra­de rich­ten soll­ten. Mit Be­scheid stell­te der Be­klag­te fest, dass die an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung kei­ne Ver­samm­lung im Sin­ne des Ver­samm­lungs­ge­set­zes sei. Die vom Klä­ger er­ho­be­ne Kla­ge auf ge­gen­tei­li­ge Fest­stel­lung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt ab­ge­wie­sen. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Be­ru­fung des Klä­gers hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu­rück­ge­wie­sen. Mit der vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Klä­ger sein An­lie­gen wei­ter. Das Ver­fah­ren kann ins­be­son­de­re Ge­le­gen­heit bie­ten, im An­schluss an den im Eil­ver­fah­ren er­gan­ge­nen und auch die "Fuck­pa­ra­de" be­tref­fen­den Be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 12. Ju­li 2001 (NJW 2001, 2459) zu klä­ren, ob es sich bei der Ver­an­stal­tung um ei­ne Ver­samm­lung oder um ei­ne Spaß-, Tanz- oder Un­ter­hal­tungs­ver­an­stal­tung, die nicht dem Ver­samm­lungs­ge­setz un­ter­fällt, han­del­te.


Pres­se­mit­tei­lung Nr. 31/2007 vom 16.05.2007

Ver­samm­lungs­frei­heit für "Fuck­pa­ra­de 2001"

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te ent­schie­den, dass der Po­li­zei­prä­si­dent in Ber­lin die Ver­an­stal­tung „Fuck­pa­ra­de 2001“ als Ver­samm­lung im Sin­ne des Ver­samm­lungs­ge­set­zes und da­mit im Sin­ne des Grund­ge­set­zes hät­te be­han­deln müs­sen.


Der Klä­ger mel­de­te für den 14. Ju­li 2001 die Ver­an­stal­tung „Fuck­pa­ra­de 2001 5 Jah­re Hate­pa­ra­de“ als „Ge­gen­de­mons­tra­ti­on zur Ber­li­ner Lo­ve Pa­ra­de“ an. Die Ver­an­stal­tung soll­te in Ber­lin als Stern­marsch statt­fin­den und auf drei nä­her be­zeich­ne­ten Rou­ten zum Alex­an­der­platz füh­ren. Dort soll­te ei­ne Ab­schluss­kund­ge­bung statt­fin­den. Ge­rech­net wur­de mit et­wa 10 000 Teil­neh­mern, die von 40 bis 50 Laut­spre­cher­wa­gen be­glei­tet wer­den soll­ten. Von den Laut­spre­cher­wa­gen soll­ten ver­schie­de­ne Disc­jo­ckeys Tech­no-Mu­sik un­ter­schied­li­cher Sti­le spie­len. Als The­men der Ver­an­stal­tung wur­den in der An­mel­dung an­ge­ge­ben „Kei­ne Zen­sur durch Kom­merz“, „Lo­ve Pa­ra­de raus aus dem Tier­gar­ten“, „Le­ben statt Haupt­stadt­wahn“ und „Kei­ne Par­ty ist il­le­gal“. Wäh­rend der Ver­an­stal­tung soll­ten Tau­sen­de von Hand­zet­teln ver­teilt wer­den, die die ge­nann­ten For­de­run­gen wie­der­ge­ben und nä­her be­grün­den. Da­nach soll­te sich die Ver­an­stal­tung ins­be­son­de­re ge­gen die Ver­drän­gung von An­hän­gern be­stimm­ter Tech­no-Mu­sik­sti­le aus den an­ge­stamm­ten Stadt­ge­bie­ten, ge­gen die Schlie­ßung von Clubs und die Auf­lö­sung von Par­tys so­wie ge­gen die kom­mer­zia­li­sier­te „Lo­ve Pa­ra­de“ als „Pseu­do-De­mo“ rich­ten. Auf den auf dem Stern­marsch mit­ge­führ­ten Last­kraft­wa­gen soll­ten Ban­ner an­ge­bracht wer­den, die auf die For­de­run­gen der Ver­an­stal­tung hin­wei­sen soll­ten. In dem In­ter­net­auf­tritt des Klä­gers wur­den die­se An­lie­gen dar­ge­legt und be­grün­det. Auf Ver­an­las­sung des Klä­gers und un­ter Hin­weis auf die "Fuck­pa­ra­de" fand ei­ne Po­di­ums­ver­an­stal­tung u.a. mit Po­li­ti­kern zu dem The­ma „Wie wich­tig sind Sub- und Club­kul­tur für ei­ne le­bens­wer­te Stadt“ statt.


Der Po­li­zei­prä­si­dent in Ber­lin teil­te dem Klä­ger mit, dass die an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung nicht die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Ver­samm­lung er­fül­le, weil sich die Rol­le der Teil­neh­mer auf das Zu­hö­ren und Tan­zen be­schrän­ke und das Ver­tei­len der Hand­zet­tel und die Spruch­bän­der der Ver­an­stal­tung nicht das ent­schei­den­de Ge­prä­ge ver­lei­hen wür­den. Dem sind das von dem Klä­ger an­ge­ru­fe­ne Ver­wal­tungs­ge­richt und das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ge­folgt. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist dem ent­ge­gen­ge­tre­ten.


Die von dem Klä­ger an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung war als Ver­samm­lung zu be­han­deln, weil nicht zwei­fels­frei aus­zu­schlie­ßen ist, dass die Ver­an­stal­tung mit Blick auf ihr Ge­samt­ge­prä­ge für ei­nen Au­ßen­ste­hen­den er­kenn­bar auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet war. Bei der Be­ur­tei­lung des Ge­samt­ge­prä­ges ei­ner Ver­an­stal­tung sind mit Blick auf die be­son­de­re Be­deu­tung des Grund­rechts der Ver­samm­lungs­frei­heit im We­ge ei­ner Ge­samt­schau al­le ma­ß­geb­li­chen Ge­sichts­punk­te mit der ih­nen zu­kom­men­den Be­deu­tung zu be­rück­sich­ti­gen. Dem hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht aus­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen. Es hat meh­re­re re­le­van­te Um­stän­de un­be­rück­sich­tigt ge­las­sen. Nach der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt an­ge­stell­ten ei­gen­stän­di­gen Be­ur­tei­lung des Ge­samt­ge­prä­ges der Ver­an­stal­tung war die­se als Ver­samm­lung zu be­han­deln. Da­für, dass die Ver­an­stal­tung er­kenn­bar auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet sein soll­te, spre­chen ins­be­son­de­re die Hand­zet­tel, auf de­nen die For­de­run­gen der Ver­an­stal­tung wie­der­ge­ge­ben und nä­her be­schrie­ben wur­den, und die be­ab­sich­tig­te Wie­der­ga­be der For­de­run­gen auf den an den Last­kraft­wa­gen be­fes­tig­ten Ban­nern. Von Be­deu­tung sind auch der In­ter­net­auf­tritt des Klä­gers, in dem die For­de­run­gen der Ver­an­stal­tung aus­führ­lich dar­ge­legt und be­grün­det wur­den, und die von dem Klä­ger in­iti­ier­te Po­di­ums­dis­kus­si­on. An­ge­sichts der zahl­rei­chen aus­sa­ge­kräf­ti­gen Um­stän­de, die für ei­ne Ver­samm­lung spre­chen, kann nicht an­ge­nom­men wer­den, dass die auf Mu­sik, Tanz und Un­ter­hal­tung ge­rich­te­ten Ele­men­te der Ver­an­stal­tung im Vor­der­grund ge­stan­den hät­ten.


BVer­wG 6 C 23.06 - Ur­teil vom 16.05.2007


Ur­teil vom 16.05.2007 -
BVer­wG 6 C 23.06ECLI:DE:BVer­wG:2007:160507U6C23.06.0

Leit­satz:

Ent­hält ei­ne ge­plan­te Zu­sam­men­kunft von Per­so­nen Ele­men­te, die so­wohl auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet sind, als auch sol­che, die an­de­ren Zwe­cken die­nen, ist sie als Ver­samm­lung im Sin­ne des Grund­ge­set­zes und des Ver­samm­lungs­ge­set­zes zu be­han­deln, wenn die an­de­ren Zwe­cke nicht aus der Sicht ei­nes durch­schnitt­li­chen Be­trach­ters er­kenn­bar im Vor­der­grund ste­hen.

Ur­teil

BVer­wG 6 C 23.06

  • OVG Ber­lin-Bran­den­burg - 02.05.2006 - AZ: OVG 1 B 4.05 -
  • OVG Ber­lin-Bran­den­burg - 02.05.2006 - AZ: OVG 1 B 4.05

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 6. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16. Mai 2007
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Bar­den­he­w­er und die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Hahn,
Bü­ge, Dr. Grau­lich und Vor­mei­er
für Recht er­kannt:

  1. Das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin vom 23. No­vem­ber 2004 und das Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 2. Mai 2006 wer­den auf­ge­ho­ben.
  2. Es wird fest­ge­stellt, dass die von dem Klä­ger für den 14. Ju­li 2001 an­ge­mel­de­te „Fuck­pa­ra­de 2001 - 5 Jah­re Hate­pa­ra­de“ wie ei­ne Ver­samm­lung im Sin­ne des Ver­samm­lungs­ge­set­zes zu be­han­deln war.
  3. Der Be­klag­te trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens.

Grün­de

I

1 Der Klä­ger mel­de­te mit Schrei­ben vom 19. März 2001 für den 14. Ju­li 2001 die Ver­an­stal­tung „Fuck­pa­ra­de 2001 - 5 Jah­re Hate­pa­ra­de“ als „Ge­gen­de­mons­tra­ti­on zur Ber­li­ner Lo­ve Pa­ra­de“ an. Die Ver­an­stal­tung soll­te in Ber­lin in Ge­stalt ei­nes Stern­mar­sches auf drei nä­her be­zeich­ne­ten Rou­ten zum Alex­an­der­platz füh­ren. Ge­rech­net wur­de mit et­wa 10 000 Teil­neh­mern, die von 40 bis 50 Laut­spre­cher­wa­gen be­glei­tet wer­den soll­ten.

2 Mit Schrei­ben vom 14. Mai 2001, das mit ei­ner Rechts­be­helfs­be­leh­rung ver­se­hen war, teil­te der Be­klag­te dem Klä­ger mit, dass die An­mel­dung nicht als An­mel­dung ei­ner Ver­samm­lung im Sin­ne des Ver­samm­lungs­ge­set­zes ent­ge­gen­ge­nom­men und be­stä­tigt wer­den kön­ne, weil es an ei­nem kol­lek­ti­ven Mei­nungs- und Wil­lens­bil­dungs­pro­zess feh­le und die Rol­le der Teil­neh­mer auf das Zu­hö­ren und Tan­zen bei mu­si­ka­li­schen Dar­bie­tun­gen be­schränkt sei. Da­ge­gen er­hob der Klä­ger mit Schrei­ben vom 21. Mai 2001 Wi­der­spruch.

3 Der Klä­ger hat am 13. Au­gust 2001 Kla­ge er­ho­ben, mit der er gel­tend ge­macht hat, die an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung sei als Ver­samm­lung an­zu­se­hen ge­we­sen und der Be­scheid vom 14. Mai 2001 sei auch des­halb feh­ler­haft, weil es sich um ei­nen fest­stel­len­den Ver­wal­tungs­akt han­de­le, für den es an ei­ner Er­mäch­ti­gungs­grund­la­ge feh­le.

4 Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat mit Ur­teil vom 23. No­vem­ber 2004 fest­ge­stellt, dass der Be­scheid des Be­klag­ten vom 14. Mai 2001 rechts­wid­rig war. Den An­trag auf Fest­stel­lung, dass die an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung ei­ne Ver­samm­lung war, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat das Ge­richt im We­sent­li­chen dar­ge­legt: Die an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung er­fül­le nicht die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Ver­samm­lung. Der an­ge­foch­te­ne Be­scheid sei des­halb feh­ler­haft, weil es sich um ei­nen fest­stel­len­den und be­las­ten­den Ver­wal­tungs­akt han­de­le, für den ei­ne Er­mäch­ti­gungs­grund­la­ge nicht er­sicht­lich sei.

5 Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts ge­än­dert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung des Klä­gers hat es zu­rück­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es im We­sent­li­chen dar­ge­legt: Der Klä­ger ha­be kei­nen An­spruch auf Fest­stel­lung der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft der an­ge­mel­de­ten Ver­an­stal­tung. Nach ih­rem Ge­samt­ge­prä­ge sei die „Fuck­pa­ra­de“ nicht als Ver­samm­lung ein­zu­ord­nen. Für die An­wen­dung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an­ge­nom­me­nen Re­gel, dass ei­ne Ver­an­stal­tung we­gen des ho­hen Ran­ges der Ver­samm­lungs­frei­heit im Zwei­fel wie ei­ne Ver­samm­lung zu be­han­deln sei, blei­be kein Raum. Die Ver­an­stal­tung hät­te sich für den Au­ßen­ste­hen­den viel­mehr als Mu­sik-, Tanz- und Un­ter­hal­tungs­ver­an­stal­tung dar­ge­stellt, mit der die Teil­neh­mer ei­ne ih­rem Mu­sik­ge­schmack ent­spre­chen­de Le­bens­art hät­ten ze­le­brie­ren wol­len. Die Ele­men­te der Mei­nungs­kund­ga­be wä­ren dem durch­schnitt­li­chen Be­trach­ter ver­bor­gen ge­blie­ben. Ent­schei­dend für die Be­ur­tei­lung des Ge­samt­ge­prä­ges ei­ner Ver­an­stal­tung sei, wie die­se am Ort der Zu­sam­men­kunft er­schei­ne. Feh­len­de oder nicht hin­rei­chend wahr­nehm­ba­re Ele­men­te der Mei­nungs­kund­ga­be könn­ten durch Dar­stel­lung der Ver­samm­lungs­zie­le auf ei­ner In­ter­net­sei­te oder in Pres­se­be­rich­ten nicht er­setzt wer­den. Auch die Wahl der Weg­stre­cke und die auf den Hand­zet­teln for­mu­lier­ten For­de­run­gen hät­ten der Ver­an­stal­tung kein an­de­res Ge­prä­ge ge­ge­ben. Die ab­leh­nen­den Auf­fas­sun­gen et­wa zu ein­zel­nen As­pek­ten der Stadt­ent­wick­lung, zur Ver­drän­gung so ge­nann­ter Sub­kul­tu­ren aus be­stimm­ten Stadt­be­zir­ken und die Ge­gen­po­si­ti­on zur „Lo­ve Pa­ra­de“ sei­en von un­ter­ge­ord­ne­ter, bei­läu­fi­ger Be­deu­tung ge­we­sen, zu­mal sie sehr all­ge­mein ge­hal­ten und da­her we­nig aus­sa­ge­kräf­tig ge­we­sen sei­en.

6 Der Klä­ger hat die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ein­ge­legt. Zur Be­grün­dung er­gänzt er sein bis­he­ri­ges Vor­brin­gen im We­sent­li­chen wie folgt: Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ha­be im Zu­sam­men­hang mit der Prü­fung des Ge­samt­ge­prä­ges der an­ge­mel­de­ten Ver­an­stal­tung we­sent­li­che Ge­sichts­punk­te au­ßer Acht ge­las­sen. So sei­en die flan­kie­ren­den Maß­nah­men der An­mel­der im Vor­feld und wäh­rend der Ver­an­stal­tung un­be­rück­sich­tigt ge­blie­ben. Hier­zu zäh­le ins­be­son­de­re die In­ter­net­sei­te der „Fuck­pa­ra­de“, auf der zur De­mons­tra­ti­on auf­ge­ru­fen und über Hin­ter­grün­de der Ver­an­stal­tung so­wie über wei­te­re Zie­le glei­cher The­ma­tik im Um­feld und Vor­feld der De­mons­tra­ti­on in­for­miert wor­den sei. Zu Un­recht ver­nach­läs­sigt wor­den sei­en auch die von ihm, dem Klä­ger, in­iti­ier­te Po­di­ums­ver­an­stal­tung mit Ver­tre­tern aus der Po­li­tik zu den For­de­run­gen der „Fuck­pa­ra­de 2001“ und die Re­ak­tio­nen der Pres­se auf die ge­plan­te Ver­an­stal­tung. So­weit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt an­neh­me, für die Be­ur­tei­lung der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft kom­me es dar­auf an, wie die Ver­an­stal­tung am Ort der Zu­sam­men­kunft er­schei­ne, sei dies nicht ver­fas­sungs­ge­mäß.

7 Der Klä­ger be­an­tragt,
das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin vom 23. No­vem­ber 2004 und das Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 2. Mai 2006 ab­zu­än­dern und fest­zu­stel­len, dass die vom Klä­ger für den 14. Ju­li 2001 an­ge­mel­de­te „Fuck­pa­ra­de 2001 - 5 Jah­re Hate­pa­ra­de“ wie ei­ne Ver­samm­lung im Sin­ne des Ver­samm­lungs­ge­set­zes zu be­han­deln war;
hilfs­wei­se,
die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts zu­rück­zu­wei­sen.

8 Der Be­klag­te be­an­tragt,
die Re­vi­si­on zu­rück­zu­wei­sen.

9 Zur Be­grün­dung ver­tei­digt er das an­ge­foch­te­ne Ur­teil.

II

10 Die zu­läs­si­ge Re­vi­si­on ist be­grün­det. So­weit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Be­ru­fung des Klä­gers zu­rück­ge­wie­sen hat, be­ruht das Ur­teil auf der Ver­let­zung von Bun­des­recht (§ 137 Abs. 1 Nr. 1 Vw­GO). Da der Sach­ver­halt ge­klärt ist, kann der Se­nat ge­mäß § 144 Abs. 3 Nr. 1 Vw­GO in der Sa­che ent­schei­den. Der Haupt­an­trag, mit dem der Klä­ger die Fest­stel­lung be­gehrt, dass die von ihm an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung „Fuck­pa­ra­de 2001 - 5 Jah­re Hate­pa­ra­de“ ei­ne Ver­samm­lung im Sin­ne des Ge­set­zes über Ver­samm­lun­gen und Auf­zü­ge (Ver­samm­lungs­ge­setz) - VersG - in der Fas­sung der Be­kannt­ma­chung vom 15. No­vem­ber 1978 (BGBl I S. 1789), zum hier ma­ß­geb­li­chen Zeit­punkt zu­letzt ge­än­dert durch Ge­setz vom 11. Au­gust 1999 (BGBl I S. 1818), war, ist zu­läs­sig (1.) und hat in der Sa­che Er­folg (2.). Über den in ers­ter In­stanz er­folg­rei­chen und auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ab­ge­wie­se­nen Hilfs­an­trag des Klä­gers ist nicht mehr zu ent­schei­den.

11 1. Der Haupt­an­trag ist als all­ge­mei­ner Fest­stel­lungs­an­trag im Sin­ne von § 43 Abs. 1 Vw­GO zu­läs­sig. Da­nach kann durch Kla­ge die Fest­stel­lung des Be­stehens oder Nicht­be­stehens ei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses be­gehrt wer­den, wenn der Klä­ger ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der Fest­stel­lung hat. Da­durch, dass der Be­klag­te in dem Schrei­ben vom 14. Mai 2001 die Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft der an­ge­mel­de­ten Ver­an­stal­tung ver­neint hat, ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten ei­ne Rechts­be­zie­hung ent­stan­den, die ein kon­kre­tes und strei­ti­ges, mit­hin fest­stel­lungs­fä­hi­ges Rechts­ver­hält­nis bil­det. Ge­gen­stand der Fest­stel­lungs­kla­ge kann auch ein ver­gan­ge­nes Rechts­ver­hält­nis sein (vgl. Ur­teil vom 29. April 1997 - BVer­wG 1 C 2.95 - Buch­holz 310 § 43 Vw­GO Nr. 127 S. 7).

12 Der Klä­ger hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se im Sin­ne von § 43 Abs. 1 Vw­GO an der be­gehr­ten Fest­stel­lung. Die Vor­aus­set­zun­gen des be­rech­tig­ten In­ter­es­ses de­cken sich weit­ge­hend mit den­je­ni­gen des Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­te­re­s­s­es nach § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO (vgl. Ur­teil vom 29. April 1997 a.a.O. S. 7). Ein sol­ches schüt­zens­wer­tes ide­el­les In­ter­es­se an der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit ei­nes er­le­dig­ten Ver­wal­tungs­akts kann sich aus der Art des Ein­griffs, ins­be­son­de­re in grund­recht­lich ge­schütz­te Be­rei­che, ver­bun­den mit dem ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten An­spruch auf ef­fek­ti­ven Rechts­schutz er­ge­ben (vgl. Be­schluss vom 30. April 1999 - BVer­wG 1 B 36.99 - Buch­holz 310 § 113 Abs. 1 Vw­GO Nr. 6 S. 13 m.w.N.). Der Ein­griff in den Schutz­be­reich der von Art. 8 Abs. 1 GG ver­bürg­ten be­son­ders be­deut­sa­men Ver­samm­lungs­frei­heit stellt ei­nen tief­grei­fen­den Grund­rechts­ein­griff dar (vgl. Ur­teil vom 23. März 1999 - BVer­wG 1 C 12.97 - Buch­holz 402.44 VersG Nr. 12 S. 4). Ist an­ge­sichts des Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten ein Ein­griff in den Schutz­be­reich des Art. 8 Abs. 1 GG nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, ist ein Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­te­re­s­se zu be­ja­hen. Ent­spre­chen­des gilt für das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se im Sin­ne von § 43 Abs. 1 Vw­GO. Dar­an ge­mes­sen hat der Klä­ger ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der be­gehr­ten Fest­stel­lung.

13 Das Sub­si­dia­ri­täts­ge­bot des § 43 Abs. 2 Vw­GO steht der Zu­läs­sig­keit der Fest­stel­lungs­kla­ge nicht ent­ge­gen. Ins­be­son­de­re kann der Klä­ger nicht auf den hilfs­wei­se ge­mäß § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO ge­stell­ten An­trag auf Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit des we­gen Zeit­ab­laufs er­le­dig­ten Ver­wal­tungs­akts vom 14. Mai 2001 ver­wie­sen wer­den. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts be­darf § 43 Abs. 2 Vw­GO ei­ner ein­schrän­ken­den Aus­le­gung (vgl. Ur­teil vom 29. April 1997 a.a.O. S. 9 f.) Die Be­stim­mung steht der Fest­stel­lungs­kla­ge nicht ent­ge­gen, wenn ei­ne Um­ge­hung der für Ver­pflich­tungs- und An­fech­tungs­kla­gen gel­ten­den Be­stim­mun­gen über Fris­ten und Vor­ver­fah­ren nicht droht und die Fest­stel­lungs­kla­ge wir­kungs­vol­le­ren Rechts­schutz bie­tet. Das ist hier der Fall. Der Be­scheid vom 14. Mai 2001 ist vom Klä­ger vor sei­ner Er­le­di­gung frist­ge­recht mit dem Wi­der­spruch an­ge­grif­fen wor­den, und die Kla­ge auf Fest­stel­lung der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft er­weist sich im Ver­gleich zu dem hilfs­wei­se ge­stell­ten Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag als ef­fek­ti­ver. Zwar kä­me die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit des Be­scheids vom 14. Mai 2001 we­gen un­zu­tref­fen­der Ver­nei­nung der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft in der Sa­che ei­ner po­si­ti­ven Fest­stel­lung der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft na­he. Die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist aber mit der Un­si­cher­heit be­haf­tet, ob die Rechts­wid­rig­keit der Fest­stel­lung des Feh­lens der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft über­haupt ent­schei­dungs­er­heb­lich ist. Es ist je­den­falls nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass der Be­scheid vom 14. Ju­li 2001 be­reits we­gen feh­len­der Er­mäch­ti­gungs­grund­la­ge rechts­wid­rig ist, wo­von das Ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­gan­gen ist, so­dass es bei die­sem An­satz auf die den Klä­ger in ers­ter Li­nie in­ter­es­sie­ren­de Fra­ge der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft nicht an­kom­men wür­de. Hin­zu kommt, dass es der Ge­wäh­rung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes eher ent­spricht, die er­streb­te Fest­stel­lung des Be­stehens der Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft in der Ur­teils­for­mel zum Aus­druck zu brin­gen, als sie in den Grün­den ei­nes Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­ur­teils „zu ver­ste­cken“.

14 2. Der Klä­ger hat ei­nen An­spruch auf die Fest­stel­lung, dass die an­ge­mel­de­te Ver­an­stal­tung wie ei­ne Ver­samm­lung im Sin­ne des Ver­samm­lungs­ge­set­zes zu be­han­deln war.

15 Nach § 1 Abs. 1 VersG hat je­der­mann u.a. das Recht, öf­fent­li­che Ver­samm­lun­gen zu ver­an­stal­ten. Art. 8 Abs. 1 GG ver­leiht al­len Deut­schen das Recht, sich oh­ne An­mel­dung oder Er­laub­nis fried­lich und oh­ne Waf­fen zu ver­sam­meln. Der Ver­samm­lungs­be­griff des Ver­samm­lungs­ge­set­zes ent­spricht dem­je­ni­gen des Grund­ge­set­zes (vgl. Ur­teil vom 21. April 1989 - BVer­wG 7 C 50.88 - BVer­w­GE 82, 34 <38>; Lau­bin­ger/Rep­ke­witz, Ver­w­Arch 2001, 585 <613>). Die Gleich­set­zung bei­der Ver­samm­lungs­be­grif­fe er­weist sich als ver­fas­sungs­ge­mäß (vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 12. Ju­li 2001 - 1 BvQ 28 und 30/01 - NJW 2001, 2459 <2460>). Die ver­fas­sungs­recht­li­che Ge­währ­leis­tung der Ver­samm­lungs­frei­heit will das un­ge­hin­der­te Zu­sam­men­kom­men mit an­de­ren Men­schen zum Zweck der ge­mein­sa­men Mei­nungs­bil­dung und Mei­nungs­äu­ße­rung (kol­lek­ti­ve Aus­sa­ge) schüt­zen (vgl. Ur­tei­le vom 7. Ju­ni 1978 - BVer­wG 7 C 5.78 - BVer­w­GE 56, 63 <69> und vom 21. April 1989 a.a.O. S. 38 f.). Ei­ne Ver­samm­lung wird da­durch cha­rak­te­ri­siert, dass ei­ne Per­so­nen­mehr­heit durch ei­nen ge­mein­sa­men Zweck in­halt­lich ver­bun­den ist (vgl. Ur­teil vom 21. April 1989 a.a.O. S. 38). Das Grund­recht schützt die Frei­heit der Ver­samm­lung als Aus­druck ge­mein­schaft­li­cher, auf Kom­mu­ni­ka­ti­on an­ge­leg­ter Ent­fal­tung. Der be­son­de­re Schutz der Ver­samm­lungs­frei­heit be­ruht auf ih­rer Be­deu­tung für den Pro­zess der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung in der frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Ord­nung des Grund­ge­set­zes. Für die Er­öff­nung des Schutz­be­reichs von Art. 8 Abs. 1 GG reicht es we­gen sei­nes Be­zugs auf den Pro­zess öf­fent­li­cher Mei­nungs­bil­dung nicht aus, dass die Teil­neh­mer bei ih­rer kom­mu­ni­ka­ti­ven Ent­fal­tung durch ei­nen be­lie­bi­gen Zweck ver­bun­den sind. Vor­aus­ge­setzt ist viel­mehr zu­sätz­lich, dass die Zu­sam­men­kunft auf die Teil­nah­me an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet ist. Ver­samm­lun­gen im Sin­ne des Art. 8 GG und da­mit auch des Ver­samm­lungs­ge­set­zes sind dem­nach ört­li­che Zu­sam­men­künf­te meh­re­rer Per­so­nen zu ge­mein­schaft­li­cher, auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­te­ten Er­ör­te­rung oder Kund­ge­bung (vgl. BVerfG, Be­schlüs­se vom 24. Ok­to­ber 2001 - 1 BvR 1190/90 u.a. - BVerf­GE 104, 92 <104> und vom 14. Mai 1985 - 1 BvR 233 und 341/81 - BVerf­GE 69, 315 <342 f.>; BVerfG, Kam­mer­be­schlüs­se vom 26. März 2001 - 1 BvQ 16/01 - NVwZ-RR 2001, 442 <443>, vom 12. Ju­li 2001 a.a.O. S. 2460 und vom 26. Ok­to­ber 2004 - 1 BvR 1726/01 - BVerf­GK 4, 154 <157>). Ent­schei­dend ist, dass die Mei­nungs­bil­dung und -äu­ße­rung mit dem Ziel er­folgt, auf die Öf­fent­lich­keit ent­spre­chend ein­zu­wir­ken (vgl. En­ders, JU­RA 2003, 34 <38>). Die Er­ör­te­rung und Kund­ge­bung muss in An­ge­le­gen­hei­ten er­fol­gen, die zur öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung be­stimmt und ge­eig­net sind (vgl. Hoff­mann-Riem, in: Al­ter­na­tiv-Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, 3. Aufl., Art. 8 Rn. 15). Der Schutz der Ver­samm­lungs­frei­heit um­fasst nicht nur das ge­wähl­te The­ma der Ver­an­stal­tung, son­dern auch die Ent­schei­dung, wel­che Maß­nah­men der Ver­an­stal­ter zur Er­re­gung der öf­fent­li­chen Auf­merk­sam­keit für sein An­lie­gen ein­set­zen will (vgl. BVerfG, Be­schluss vom 24. Ok­to­ber 2001 a.a.O. S. 111; BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 5. Sep­tem­ber 2003 - 1 BvQ 32/03 - BVerf­GK 2, 1 <6>). Die vom Ver­samm­lungs­recht ge­schütz­ten Ver­an­stal­tun­gen sind nicht auf Zu­sam­men­künf­te tra­di­tio­nel­ler Art be­schränkt, son­dern um­fas­sen viel­fäl­ti­ge For­men ge­mein­sa­men Ver­hal­tens (vgl. Ur­teil vom 21. April 1989 a.a.O. S. 39; BVerfG, Be­schluss vom 14. Mai 1985 a.a.O. S. 334). Volks­fes­te und Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tun­gen fal­len al­ler­dings un­ter den Ver­samm­lungs­be­griff eben­so we­nig wie Ver­an­stal­tun­gen, die der blo­ßen Zur­schau­stel­lung ei­nes Le­bens­ge­fühls die­nen oder die als ei­ne auf Un­ter­hal­tung aus­ge­rich­te­te öf­fent­li­che Mas­sen­par­ty ge­dacht sind, ei­ner­lei, ob der dort vor­herr­schen­de Mu­sik­typ ein Le­bens­ge­fühl von so ge­nann­ten Sub­kul­tu­ren aus­drückt oder dem Mas­sen­ge­schmack ent­spricht (vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 12. Ju­li 2001 a.a.O. S. 2460). An­de­rer­seits er­streckt sich der Schutz­be­reich der Ver­samm­lungs­frei­heit auch auf sol­che Ver­an­stal­tun­gen, die ih­re kom­mu­ni­ka­ti­ven Zwe­cke un­ter Ein­satz von Mu­sik und Tanz ver­wirk­li­chen. Dies ist zu be­ja­hen, wenn die­se Mit­tel zur kom­mu­ni­ka­ti­ven Ent­fal­tung mit dem Ziel ein­ge­setzt wer­den, auf die öf­fent­li­che Mei­nungs­bil­dung ein­zu­wir­ken. Von der Ver­samm­lungs­frei­heit sind sol­che Ver­an­stal­tun­gen bei­spiels­wei­se auch dann er­fasst, wenn sie sich da­für ein­set­zen, dass be­stimm­te Mu­sik- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen auch in Zu­kunft er­mög­licht wer­den. Ge­schützt durch Art. 8 GG ist in sol­chen Fäl­len die kom­mu­ni­ka­ti­ve Ein­fluss­nah­me auf die öf­fent­li­che Mei­nung, um auf die zu­künf­ti­ge Durch­füh­rung sol­cher Ver­an­stal­tun­gen hin­zu­wir­ken, nicht aber das Ab­hal­ten der Mu­sik- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen selbst. Ei­ne Mu­sik- und Tanz­ver­an­stal­tung wird je­doch nicht al­lein da­durch zu ei­ner Ver­samm­lung im Sin­ne von Art. 8 GG, dass bei ih­rer Ge­le­gen­heit auch Mei­nungs­kund­ga­ben er­fol­gen (vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 12. Ju­li 2001 a.a.O. S. 2460 f.).

16 Ent­hält ei­ne Ver­an­stal­tung so­wohl Ele­men­te, die auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet sind, als auch sol­che, die die­sem Zweck nicht zu­zu­rech­nen sind, ist ent­schei­dend, ob die­se „ge­misch­te“ Ver­an­stal­tung ih­rem Ge­samt­ge­prä­ge nach ei­ne Ver­samm­lung ist. Blei­ben in­so­weit Zwei­fel, so be­wirkt der ho­he Rang der Ver­samm­lungs­frei­heit, dass die Ver­an­stal­tung wie ei­ne Ver­samm­lung be­han­delt wird (vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 12. Ju­li 2001 a.a.O. S. 2461).

17 Die Be­ur­tei­lung, ob ei­ne „ge­misch­te“ Ver­an­stal­tung ih­rem Ge­samt­ge­prä­ge nach ei­ne Ver­samm­lung dar­stellt, ist im We­ge ei­ner Ge­samt­schau al­ler re­le­van­ten tat­säch­li­chen Um­stän­de vor­zu­neh­men. Das be­son­de­re Ge­wicht, das die Ver­fas­sung der Ver­samm­lungs­frei­heit bei­misst, ge­bie­tet, dass al­le we­sent­li­chen Um­stän­de in die Be­ur­tei­lung ein­be­zo­gen und ih­rer Be­deu­tung ent­spre­chend ge­wür­digt wer­den. Wird dem nicht Rech­nung ge­tra­gen, er­weist sich die Be­ur­tei­lung als rechts­feh­ler­haft, weil sie nicht den Vor­ga­ben des Art. 8 Abs. 1 GG ent­spricht. Die Ge­samt­schau hat in meh­re­ren Schrit­ten zu er­fol­gen. Zu­nächst sind al­le die­je­ni­gen Mo­da­li­tä­ten der ge­plan­ten Ver­an­stal­tung zu er­fas­sen, die auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung zie­len. Zu ver­nach­läs­si­gen sind sol­che An­lie­gen und die ih­rer Um­set­zung die­nen­den Ele­men­te, bei de­nen er­kenn­bar ist, dass mit ih­nen nicht ernst­haft die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung be­zweckt wird, die mit­hin nur vor­ge­scho­ben sind, um den Schutz der Ver­samm­lungs­frei­heit be­an­spru­chen zu kön­nen. Bei der Aus­klam­me­rung von an sich auf die Mei­nungs­bil­dung ge­rich­te­ten Ele­men­ten un­ter Hin­weis auf die man­geln­de Ernst­haf­tig­keit des An­lie­gens ist mit Blick auf die be­son­de­re Be­deu­tung der Ver­samm­lungs­frei­heit Zu­rück­hal­tung zu üben und ein stren­ger Maß­stab an­zu­le­gen. In die Be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen sind nur Ele­men­te der ge­plan­ten Ver­an­stal­tung, die sich aus Sicht ei­nes durch­schnitt­li­chen Be­trach­ters als auf die Teil­ha­be an der Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet dar­stel­len. Ab­zu­stel­len ist in ers­ter Li­nie auf ei­nen Au­ßen­ste­hen­den, der sich zum Zeit­punkt der Ver­an­stal­tung an ih­rem Ort be­fin­det. Auf die­sen Be­trach­ter kommt es des­halb in ers­ter Li­nie an, weil ei­ne Ver­samm­lung vor­ran­gig durch ih­re Prä­senz an ei­nem be­stimm­ten Ort zu ei­ner be­stimm­ten Zeit auf die öf­fent­li­che Mei­nung ein­wir­ken will. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist aber die Be­trach­tung nicht auf sol­che Um­stän­de be­schränkt. Es kön­nen auch Um­stän­de von Be­deu­tung sein, die nicht von ei­nem Au­ßen­ste­hen­den „vor Ort“ wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. So liegt es et­wa, wenn im Rah­men von den Ver­an­stal­tern zu­re­chen­ba­ren öf­fent­li­chen Äu­ße­run­gen im Vor­feld der Ver­an­stal­tung zum Aus­druck ge­bracht wird, dass mit der Ver­an­stal­tung auf die öf­fent­li­che Mei­nungs­bil­dung ein­ge­wirkt wer­den soll, die­sen Äu­ße­run­gen die Ernst­haf­tig­keit nicht ab­ge­spro­chen wer­den kann und sie von ei­nem durch­schnitt­li­chen Be­trach­ter wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Sol­che Äu­ße­run­gen sind je­den­falls dann von Re­le­vanz, wenn bei der ge­plan­ten Ver­an­stal­tung selbst Ele­men­te der Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung für ei­nen Au­ßen­ste­hen­den er­kenn­bar ge­we­sen wä­ren. In die­sem Fall er­wei­sen sich die Äu­ße­run­gen im Vor­feld als ge­wich­ti­ges In­diz da­für, dass die ge­plan­te Ver­an­stal­tung mit Ernst­haf­tig­keit auch auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet ge­we­sen wä­re. Im An­schluss an die Er­fas­sung der zu be­rück­sich­ti­gen­den Ge­sichts­punk­te sind die­se ih­rer Be­deu­tung ent­spre­chend zu wür­di­gen und in ih­rer Ge­samt­heit zu ge­wich­ten.

18 Dar­an schlie­ßt sich der zwei­te Schritt der Ge­samt­schau an, bei dem die nicht auf die Mei­nungs­bil­dung zie­len­den Mo­da­li­tä­ten der Ver­an­stal­tung, wie et­wa Tanz, Mu­sik und Un­ter­hal­tung, zu wür­di­gen und ins­ge­samt zu ge­wich­ten sind. Schlie­ß­lich sind - in ei­nem drit­ten Schritt - die auf den ers­ten bei­den Stu­fen fest­ge­stell­ten Ge­wich­te der die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung be­tref­fen­den Ele­men­te ei­ner­seits und der von die­sen zu un­ter­schei­den­den
Ele­men­te an­de­rer­seits zu­ein­an­der in Be­zie­hung zu set­zen und aus der Sicht ei­nes durch­schnitt­li­chen Be­trach­ters zu ver­glei­chen. Über­wiegt das Ge­wicht der zu­erst ge­nann­ten Ele­men­te, ist die Ver­an­stal­tung ih­rem Ge­samt­ge­prä­ge nach ei­ne Ver­samm­lung. Im um­ge­kehr­ten Fall ge­nie­ßt die Ver­an­stal­tung nicht den Schutz des Ver­samm­lungs­rechts. Ist ein Über­ge­wicht des ei­nen oder des an­de­ren Be­reichs nicht zwei­fels­frei fest­zu­stel­len, ist die Ver­an­stal­tung wie ei­ne Ver­samm­lung zu be­han­deln. An den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen ge­mes­sen be­ruht das an­ge­foch­te­ne Ur­teil auf der Ver­let­zung von Bun­des­recht.

19 So­weit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt an­ge­nom­men hat, dass sich die strei­ti­ge Ver­an­stal­tung nach der Ge­samt­heit ih­res Er­schei­nungs­bil­des bei ei­nem Au­ßen­ste­hen­den pri­mär als ei­ne Mu­sik-, Tanz- und Un­ter­hal­tungs­ver­an­stal­tung dar­ge­stellt hät­te, hat es nicht aus­rei­chend dem aus Art. 8 Abs. 1 GG fol­gen­den Ge­bot Rech­nung ge­tra­gen, al­le auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­te­ten und als sol­che zu be­rück­sich­ti­gen­den Ele­men­te in die Be­trach­tung im Rah­men der ge­bo­te­nen Ge­samt­schau ein­zu­be­zie­hen. Des­halb hat es das Be­ru­fungs­ge­richt auch ver­säumt, die ein­schlä­gi­gen Ele­men­te in ih­rer Ge­samt­heit zu ge­wich­ten und ei­nen Ver­gleich mit dem Ge­samt­ge­wicht der nicht die Mei­nungs­bil­dung be­tref­fen­den Mo­da­li­tä­ten der Ver­an­stal­tung vor­zu­neh­men.

20 Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat au­ßer Acht ge­las­sen, dass nach der Kon­zep­ti­on der Ver­an­stal­tung un­strei­tig be­ab­sich­tigt war, die in der An­mel­dung auf­ge­führ­ten For­de­run­gen der Ver­an­stal­tung auf Spruch­bän­dern wie­der­zu­ge­ben, die an Last­kraft­wa­gen, von de­nen 40 bis 50 mit­ge­führt wer­den soll­ten, an­ge­bracht wer­den soll­ten und von Au­ßen­ste­hen­den wahr­ge­nom­men wor­den wä­ren. In der An­mel­dung wa­ren als The­men der Ver­an­stal­tung an­ge­ge­ben „Kei­ne Zen­sur durch Kom­merz“, „Lo­ve Pa­ra­de raus aus dem Tier­gar­ten“, „Le­ben statt Haupt­stadt­wahn“ und „Kei­ne Par­ty ist il­le­gal“. Die­se For­de­run­gen wa­ren auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet. Zwar wa­ren sie nicht in je­der Hin­sicht aus sich her­aus ver­ständ­lich. In­so­weit ist aber zu be­rück­sich­ti­gen, dass die For­de­run­gen u.a. auf den Hand­zet­teln, die an­läss­lich der Ver­an­stal­tung hät­ten ver­teilt wer­den, nä­her be­grün­det wor­den wä­ren. Ein Ex­em­plar die­ser Hand­zet­tel be­fin­det sich in der Ak­te des vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­rens, die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­drück­lich zum Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ge­macht wor­den ist und des­sen In­halt des­halb vom Se­nat be­rück­sich­tigt wer­den kann. Auf den Hand­zet­teln, die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu Recht als Ele­men­te der Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung be­rück­sich­tigt wor­den sind, wird u.a. dar­ge­legt, dass sich die Ver­an­stal­tung ins­be­son­de­re ge­gen die Ver­drän­gung von An­hän­gern be­stimm­ter Tech­no-Mu­sik­sti­le aus den an­ge­stamm­ten Stadt­ge­bie­ten, ge­gen die Schlie­ßung von Clubs und die Auf­lö­sung von Par­tys so­wie ge­gen die kom­mer­zia­li­sier­te „Lo­ve Pa­ra­de“ als „Pseu­do-De­mo“ rich­te. Durch die­se Er­wä­gun­gen hät­ten auch die Pa­ro­len auf den Spruch­bän­dern an den Fahr­zeu­gen ih­re Kon­kre­ti­sie­rung er­fah­ren. Es sind kei­ne An­halts­punk­te da­für er­sicht­lich, dass die For­de­run­gen nur des­halb er­ho­ben wur­den, um die Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft zu be­grün­den. Ih­nen kann die Ernst­haf­tig­keit nicht ab­ge­spro­chen wer­den, wo­für auch der Um­stand spricht, dass die „Fuck­pa­ra­de“ in den Vor­jah­ren bei im We­sent­li­chen glei­cher Kon­zep­ti­on als Ver­samm­lung an­ge­se­hen wur­de.

21 Ver­nach­läs­sigt hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt - von sei­nem Rechts­stand­punkt aus fol­ge­rich­tig - auch den In­ter­net­auf­tritt des Klä­gers, in dem be­reits im Vor­feld der Ver­an­stal­tung de­ren Zie­le und For­de­run­gen ein­ge­hend dar­ge­stellt und be­grün­det wur­den. Ein Aus­druck die­ser auch auf die öf­fent­li­che Mei­nungs­bil­dung zie­len­den Dar­le­gun­gen be­fin­det sich in der Ge­richts­ak­te des Ver­fah­rens auf Er­lan­gung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes. Die Aus­füh­run­gen in dem In­ter­net­auf­tritt er­wei­sen sich als In­diz da­für, dass die Ver­an­stal­tung auf die Be­ein­flus­sung der öf­fent­li­chen Mei­nung ge­rich­tet ge­we­sen wä­re. Sie wa­ren je­der­mann zu­gäng­lich, und die Ver­an­stal­tung hät­te - wie auf­ge­zeigt - Ele­men­te der Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung auf­ge­wie­sen. Ent­spre­chen­des gilt für die von dem Klä­ger in­iti­ier­te Po­di­ums­ver­an­stal­tung am 23. Ju­ni 2001 u.a. mit Po­li­ti­kern zu dem The­ma „Wie wich­tig sind Sub- und Club­kul­tur für ei­ne le­bens­wer­te Stadt“. Auf dem sich in der Ge­richts­ak­te des vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­rens be­fin­den­den Auf­ruf zu der Po­di­ums­dis­kus­si­on war der Be­zug zu der strei­ti­gen Ver­an­stal­tung deut­lich er­kenn­bar durch den Hin­weis „Fuck­pa­ra­de pres­ents“ her­ge­stellt. Nach al­le­dem hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Ge­bot ent­spro­chen, al­le für die Ver­samm­lungs­ei­gen­schaft spre­chen­den tat­säch­li­chen Um­stän­de in die Be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen und zu ge­wich­ten. Dar­in liegt ei­ne Ver­let­zung von Bun­des­ver­fas­sungs­recht.

22 Der Se­nat sieht in Aus­übung des ihm von § 144 Abs. 3 Satz 1 Vw­GO ein­ge­räum­ten Er­mes­sens im In­ter­es­se der Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung da­von ab, die Sa­che an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nach § 144 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Vw­GO zu­rück­zu­ver­wei­sen. Die Fra­ge nach dem Ge­samt­ge­prä­ge der strei­ti­gen Ver­an­stal­tung kann vom Se­nat be­ant­wor­tet wer­den, oh­ne dass ei­ne wei­te­re Sach­auf­klä­rung er­for­der­lich ist. Ei­ne Ge­samt­schau in An­wen­dung der auf­ge­zeig­ten Grund­sät­ze führt zu dem Er­geb­nis, dass die Ver­an­stal­tung als Ver­samm­lung zu be­han­deln war.

23 Als auf die Teil­ha­be an der öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ge­rich­te­te Ele­men­te der Ver­an­stal­tung sind je­den­falls zu be­rück­sich­ti­gen die Hand­zet­tel, die an­läss­lich der Ver­an­stal­tung hät­ten ver­teilt wer­den sol­len, die Spruch­bän­der an den Last­kraft­wa­gen, die Dar­le­gun­gen in dem In­ter­net­auf­tritt des Klä­gers zu den For­de­run­gen und Zie­len der Ver­an­stal­tung und die ge­nann­te Po­di­ums­dis­kus­si­on. Die­se Ele­men­te wä­ren aus­sa­ge­kräf­tig ge­we­sen und hät­ten die Ab­sicht, ei­nen Bei­trag zur öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung zu leis­ten, deut­lich er­ken­nen las­sen. Ein durch­schnitt­li­cher Be­trach­ter hät­te ihr Ge­samt­ge­wicht als be­deut­sam ein­ge­schätzt.

24 Die Ver­an­stal­tung wä­re auch auf das Spie­len be­stimm­ter Mu­sik, auf Tanz und auf Un­ter­hal­tung aus­ge­rich­tet ge­we­sen. Es ist nicht zwei­fel­haft, dass die­se Ele­men­te ei­nen brei­ten Raum ein­ge­nom­men hät­ten und hin­sicht­lich ih­res Ge­samt­ge­wichts von ei­nem Au­ßen­ste­hen­den eben­falls als be­deut­sam ein­ge­stuft wor­den wä­ren.

25 Ein Ver­gleich der er­mit­tel­ten Ge­samt­ge­wich­te recht­fer­tigt nicht die An­nah­me, die auf Mu­sik, Tanz und Un­ter­hal­tung ge­rich­te­ten Ele­men­te hät­ten aus Sicht ei­nes durch­schnitt­li­chen Be­trach­ters im Vor­der­grund ge­stan­den. An­ge­sichts des dar­ge­stell­ten Ge­wichts der auf je­den Fall dem Mei­nungs­bil­dungs­be­reich zu­zu­ord­nen­den Ele­men­te ist viel­mehr nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die Ver­an­stal­tung, hät­te sie statt­ge­fun­den, ih­rem Ge­samt­ge­prä­ge nach als auf die Teil­ha­be an der Mei­nungs­bil­dung ge­rich­tet an­ge­se­hen wor­den wä­re. Es ist mög­lich, dass ins­be­son­de­re die For­de­rung nach dem Er­halt der an­ge­stamm­ten Spiel­stät­ten be­stimm­ter Tech­no-Mu­sik und die Kri­tik an der Kom­mer­zia­li­sie­rung die­ser Mu­sik im Rah­men der „Lo­ve Pa­ra­de“ als die Ver­an­stal­tung prä­gend wahr­ge­nom­men wor­den wä­ren und die Mu­sik-, Tanz- und Un­ter­hal­tungs­an­tei­le als Mit­tel zum Zweck an­ge­se­hen wor­den wä­ren, den in­halt­li­chen For­de­run­gen Ge­hör zu ver­schaf­fen. In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch in Rech­nung zu stel­len, dass die Mu­sik, die bei der Ver­an­stal­tung ge­spielt wor­den wä­re, we­sent­li­cher Be­zugs­punkt der auf­ge­stell­ten For­de­run­gen war, was ei­nem Au­ßen­ste­hen­den nicht ver­bor­gen ge­blie­ben wä­re. Da sich nach al­le­dem das Ge­samt­ge­prä­ge der „Fuck­pa­ra­de 2001“ nicht zwei­fels­frei fest­stel­len ließ, war es von Ver­fas­sungs we­gen ge­bo­ten, sie als Ver­samm­lung zu be­han­deln.

26 3. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 154 Abs. 1 Vw­GO.